AUGSBURG – Bischof Dr. Bertram Meier hat die Gläubigen dazu aufgerufen, ihren Glauben nicht zur Privatsache zu machen. Bei der Fronleichnam-Feier im Dom betonte er, dass die Gesellschaft die Stimme der Kirche benötige. Im Anschluss an den Gottesdienst zog eine Prozession durch die Innenstadt.
"Jede und jeder von uns soll im eigenen Leben, im Beruf und Stand für die Mitmenschen ein anderer Christus sein", sagte der Bischof in seiner Predigt. Die sakramentale Weihe schaffe jedoch keinen Automatismus. Um Christus zu repräsentieren, brauche der Geweihte den "Ausweis der Glaubwürdigkeit".
Eucharistie fordert zur Entscheidung heraus
Der Bischof bezeichnete das Fronleichnamsfest als "Glaubensdemonstration". Es sei mehr als Folklore und keine Militärparade, sondern ein starkes Zeugnis. Jesus speise Tausende, um sie auf das lebendige Brot hinzuweisen, das vom Himmel gekommen sei. Die Eucharistie fordere aber zur Entscheidung heraus.
Gleichzeitig rief Meier dazu auf, sich angesichts von Missbrauch und Vertrauenskrise nicht ins Private zurückzuziehen. "Die Gesellschaft von heute – die Menschen mitten in ihren Ängsten um Krieg, Inflation und Rezession – braucht die Stimme der Kirche", betonte er. Die Politik allein schaffe es nicht, die Krisen zu lösen.
Prozession mit vier Stationen durch die Stadt
Die Gläubigen begleiteten die Monstranz durch die Augsburger Innenstadt. An der ersten Station auf dem Rathausplatz beteten sie für den Ort und seine Bewohner. Die Fürbitten gedachten den Verantwortungsträgern sowie Eheleuten und Familien.
Vor dem großen Herkulesbrunnen stand die zweite Station unter dem Motto "für die Schöpfung, für unser Volk und alle Völker der Erde". Weihbischof Florian Wörner erteilte nach Evangelium und Lobpreis den Segen. An der dritten Station vor der St. Moritzkirche betete die Gemeinde für Menschen in verschiedensten Lebenssituationen.
Musikalische Begleitung und internationale Beteiligung
Den Abschluss bildete das Gebet für Kirche und Gläubige auf dem Domplatz. Das große "Te deum" beendete die Prozession. Eine Musikkapelle aus Haldenwang sowie Fahnenabordnungen und Studentenverbindungen begleiteten den Zug durch die Stadt.
Die Domsingknaben und das Bläserensemble der Dommusik gestalteten die Feier musikalisch. Erstmals wirkten auch die Sängerinnen der neugegründeten Mädchenkantorei mit. Mitglieder der muttersprachlichen Gemeinden trugen Bitten auf Kroatisch, Portugiesisch, Ungarisch, Polnisch, Italienisch und Syrisch-Aramäisch vor.