171 Kinder unter 14 Jahren gelten in Bayern als vermisst. Was steckt hinter den dramatischen Zahlen?
BAYERN - „Mein Kind ist nicht nach Hause gekommen" – eine Horrorvorstellung für jede Familie. Anlässlich des heutigen Tags der vermissten Kinder macht das Bayerische Landeskriminalamt (BLKA) auf die Situation im Freistaat aufmerksam: Aktuell werden 171 Kinder unter 14 Jahren in Bayern vermisst (Stichtag 18. Mai 2026).
Die Zahlen sind eine Momentaufnahme - und sie zeigen ein differenziertes Bild. 126 der vermissten Kinder gelten als sogenannte Ausreißer, die wiederholt weglaufen und in der Regel zurückkommen. Bei 40 Kindern handelt es sich um Fälle, in denen sie einem Elternteil oder Vormund entzogen wurden - etwa im Zuge von Sorgerechtsstreitigkeiten. Fünf der Vermissten sind unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, die zwar in der Statistik geführt werden, bei denen jedoch davon ausgegangen wird, dass Bayern lediglich eine Zwischenstation ihrer Weiterreise war.
Ein Großteil der Kinder kommt glücklicherweise bereits nach wenigen Tagen wohlbehalten zurück. Im vergangenen Jahr wurden 1.044 Kinder als vermisst gemeldet - 970 Fälle konnten aufgeklärt werden. 2024 waren es 1.069 gemeldete Fälle, von denen 979 gelöst wurden.
Sobald ein Kind sein gewohntes Umfeld verlässt und sein Aufenthaltsort unbekannt ist, gilt es offiziell als vermisst. Die Polizei geht in solchen Fällen grundsätzlich von einer Gefahr für Leib und Leben aus – bis die Ermittlungen etwas anderes ergeben. Eltern und Angehörige sollten daher nicht zögern und umgehend den Notruf wählen. Die Beamten können dann sofortige Fahndungsmaßnahmen einleiten, bekannte Aufenthaltsorte absuchen und das Umfeld des Kindes befragen.
Alle Vermisstenfälle bei Kindern und Jugendlichen laufen in Bayern zentral in der Vermisstendienststelle des BLKA zusammen. Von dort aus werden die lokalen Polizeidienststellen gezielt unterstützt, Fahndungen an andere Bundesländer und das Bundeskriminalamt weitergeleitet sowie Vermisste in einer bundesweiten Datenbank erfasst. Darüber hinaus erforscht die Dienststelle die Hintergründe von Vermissungen, um daraus Erkenntnisse für künftige Fälle zu gewinnen.