INGOLSTADT – Vergiftete Babygläschen in drei Nachbarländern entdeckt. Polizei Ingolstadt richtet Ermittlungsgruppe ein.
PFAFFENHOFEN AN DER ILM - Die Kriminalpolizei Ingolstadt führt unter Sachleitung der Staatsanwaltschaft Ingolstadt ein Verfahren wegen Verdachts der versuchten Erpressung zum Nachteil des in Pfaffenhofen an der Ilm ansässigen Babynahrungsmittelherstellers HiPP gegen Unbekannt. Der Fall entwickelte sich binnen kürzester Zeit zu einem internationalen Kriminalfall.
Unmittelbar nach Bekanntwerden einer E-Mail der mutmaßlichen Täter am Mittwoch (16.04.2026) bei der Polizei trafen die Ermittler unverzüglich alle erforderlichen Verständigungen, Abstimmungen und Maßnahmen im In- und Ausland. Die Behörden reagierten sofort auf die Bedrohung. Wie heute.at unter Berufung auf die österreichische Zeitung "Die Presse" berichtet, landete das erste Erpresser-Mail vom 27. März bei HiPP in Deutschland zunächst im Spam-Ordner. Darin forderten die Täter zwei Millionen Euro bis zum 2. April. Gelesen wurde das Mail jedoch erst am 16. April - da waren die Gläser bereits im Umlauf.
Im Rahmen dieser Ermittlungen stellten die Behörden in den drei benachbarten Ländern Österreich, Tschechien und der Slowakei insgesamt fünf manipulierte Babynahrungsgläser fest. Die Gläser sicherten die Ermittler vor Verzehr. Ein manipuliertes Glas könnte in Österreich mutmaßlich noch im Umlauf sein, warnt die Polizei. Laboruntersuchungen ergaben, dass die sichergestellten Gläser mit Rattengift versetzt worden waren.
Wie die Staatsanwaltschaft Brünn bekanntgab, beschlagnahmten die Beamten am Freitag zwei kontaminierte Gläser in einer Tesco-Filiale in Brünn, der zweitgrößten Stadt Tschechiens. Auch diese waren mit einem weißen Aufkleber mit rotem Kreis am Glasboden markiert. Dass die Ermittler so schnell fündig wurden, hat laut heute.at einen einfachen Grund: Die Täter nannten in ihrem Erpressungsmail die betroffene Filiale konkret. Tesco entfernte daraufhin HiPP-Gläser sicherheitshalber aus all seinen Filialen in Tschechien.
Während in Tschechien und der Slowakei scheinbar rechtzeitig reagiert wurde, war in Österreich zu diesem Zeitpunkt bereits ein vergiftetes Glas verkauft worden, wie zahlreiche Medien berichteen. Es landete bei einer Familie im burgenländischen Schützen am Gebirge, die jedoch aufgrund des verdorbenen Geruchs vom Verzehr absah - und die Behörden informierte. Das Glas war zuvor in einer Spar-Filiale in Eisenstadt gekauft worden. Tests bestätigten das Vorhandensein von Rattengift.
Die deutschen Ermittlungsbehörden stehen in kontinuierlichem engen Austausch mit dem Babynahrungshersteller HiPP und den Sicherheitsbehörden der betroffenen Länder. In Deutschland stellten die Behörden keine mit Gift verunreinigten Gläser fest. Die Polizei bittet um Verständnis, dass zum jetzigen Zeitpunkt keine weiterführenden Informationen zum Ermittlungsfortgang bekannt gegeben werden können.
Die Polizei weist vorsorglich darauf hin, dass bei Auffälligkeiten an den Babykostgläschen vom Verzehr abgesehen und umgehend die am Auffindeort örtlich zuständige Polizei verständigt werden soll. Eltern sollten insbesondere beim Öffnen des Glases auf das sogenannte Knack-Geräusch achten. Sollte dieses fehlen, kann eine Beschädigung oder Manipulation vorliegen. Überprüfen Sie grundsätzlich den Geruch des Glasinhalts, ob dieser dem Gewohnten entspricht.
Die mutmaßlichen Täter brachten an den manipulierten Gläsern am Boden einen weißen Aufkleber mit einer Markierung in Form eines roten Kreises an. Diese Kennzeichnung soll es den Erpressern ermöglichen, die präparierten Gläser von normalen zu unterscheiden.
Zur Aufklärung des Sachverhalts richtete die Kriminalpolizei Ingolstadt nun eine Ermittlungsgruppe "Glas" ein, die Hinweise unter der Telefonnummer 0841 / 93433803 entgegennimmt. Die Behörden gehen derzeit davon aus, dass mehrere Täter beteiligt sein könnten.
Der Handel reagierte rasch auf die Bedrohung: Bereits am Samstag nahmen Spar und Maximarkt in Österreich sämtliche HiPP-Produkte vorsorglich aus dem Sortiment. Gleichzeitig warnte der Hersteller eindringlich vor dem Verzehr bestimmter Gläser. Für Eltern bleibt vorerst nur eines: ganz genau hinschauen - und im Zweifel lieber auf den Babybrei verzichten.